RAZ: Herr Behrendt, wie kamen Sie auf die Idee, in Radeburg ein Geschäft für Orthopädie-Schuhtechnik aufzumachen?
Jens Behrendt: Ja, ganz einfach. Ich habe festgestellt, dass Radeburg und Umgebung orthopädieschuhtechnisch unterbesetzt ist. Ich habe einen geeigneten Ort gesucht für eine Filiale, einen kleinen Laden für Annahme, Beratung und Ausgabe, und habe ich diese schönen netten Geschäftsräume gefunden.
RAZ: Also sie haben hier eine Filiale – wo ist Ihr Hauptgeschäft?
Jens Behrendt: Das Hauptgeschäft ist in Coswig auf der Louise-Otto-Peters-Str. 9. Dort werden Schuhe, Einlagen, Orthesen usw. maßangefertigt bzw. repariert.
RAZ: Was braucht man für einen Berufsabschluss, um so ein Geschäft zu betreiben?
Jens Behrendt: Man muss erst einmal Orthopädieschuhmacher lernen, das ist ein Lehrberuf, dreieinhalb Jahre, und dann hinterher noch eine Meisterausbildung absolvieren.
RAZ: Dreieinhalb Jahre Lehre – das ist aber ganz schön lange…
Jens Behrendt: Das ist ein Gesundheitsberuf, da ist das so. Mit dem Schuhmacherberuf im eigentlichen Sinn hat das nicht viel zu tun.
RAZ: Schade eigentlich. Wenn ich einen kaputten Schuh habe, die Sohle ab ist oder so…
Jens Behrendt: Ja, der Vorteil ist, das können wir auch. Also gewöhnliche Schuhe reparieren können wir auch und solche Aufträge nehmen wir auch an. Aber es muss natürlich Sinn machen. Denn Sinn muss jeder für sich entscheiden. Wir machen Handwerk. Da gibt es einen Preis und jeder muss entscheiden, ob ihm der Schuh das wert ist. Wir sind auch keine Schnellreparatur, das muss man mit bedenken.
Ich habe 1991 mit der Lehre angefangen. Ehe es mit der Meisterausbildung weitergeht, muss man ein paar Gesellenjahre absolvieren. Zwischendurch kam auch noch die Bundeswehr. 1998 bis 2001 folgte dann die Meisterausbildung – erst zwei Jahre bei der Handwerkskammer, dann in Meisterschule Orthopädie-Schuhtechnik Siebenlehn.
Am 1. Februar 2006 habe ich das Geschäft, in dem ich seit meiner Lehre arbeite, von Herrn Rost übernommen.
RAZ: Sind Sie zufrieden, wie es hier in Radeburg angelaufen ist? Entspricht das Ihren Erwartungen?
Jens Behrendt: Ja, es ist tatsächlich gut angenommen worden, da kann man sich nicht beschweren. Das bestätigt meine Annahme, dass hier ein großer Bedarf ist. Man hört von jedem: endlich ist wieder jemand da.
RAZ: Dann bleibt mir nur, Dank zu sagen, dass Sie da sind – immer montags du mittwochs und hier eine Bedarfslücke schließen und vielen Dank auch für das Gespräch.